Auch in der Krise: aus Betroffenen Beteiligte machen

Die mehr als 130 Jahre alten Trinkwasserleitungen in der Innsbrucker Altstadt müssen erneuert werden. Im Sommer 2019 haben die Innsbrucker Kommunalbetriebe mit Unterstützung von clavis Kommunikationsberatung einen planungsbegleitenden Dialog mit BewohnerInnen, TouristikerInnen und UnternehmerInnen der Altstadt gestartet. Aufgrund der Coronakrise wurden die Bauarbeiten auf ein Jahr konzentriert und der Baustart um ein Jahr vorverlegt. IKB-Vorstand Dr. Thomas Pühringer erläutert im Interview, welche die Erfolgsfaktoren für diesen Prozess waren und warum Beteiligung auch in Krisenzeiten große Priorität hat.
Thomas Pühringer

Die IKB hat für die Sanierung der Trinkwasserleitungen in der Innsbrucker Altstadt erstmals einen planungsbegleitenden Dialog durchgeführt. Was waren die Gründe dafür?

Dr. Thomas Pühringer: Lassen Sie mich vorab etwas anmerken: Als Betreiberin von Leitungsnetzen (bei der IKB sind dies aktuell Wasser, Abwasser, Strom-Netz und Telekom/Internet auf Glasfaserbasis), die im Stadtgebiet von Innsbruck auch immer für andere Netzbetreiberinnen plant und baut (Erdgas, Fernwärme und Telekom-Unternehmen), ist es für uns in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit geworden, dass wir die betroffenen Personen und Unternehmen rechtzeitig, umfassend, richtig und zeitnah informieren.

Für den erstmaligen und zusätzlichen planungsbegleitenden Dialog in der Innsbrucker Altstadt gibt es vier gute Gründe:

  • Die hohe Komplexität des Bauvorhabens an sich: historische, größtenteils denkmal-geschützte Umgebung, wenig Platz im Straßenraum (enge Gassen), bautechnische Herausforderungen (fast kein Haus in der Altstadt ist unterkellert, Auflagen des Bundesdenkmalamtes usw.). Dazu noch Zeit- und Kostendruck und intensive öffentliche Beobachtung.
  • Eine massive Koinzidenz von teilweise diametral gelagerten Interessen (Anrainerschaft, Handel, Tourismus und weiteren Stakeholdern).
  • Klare Willensbekundung der Stadt Innsbruck in ihren verschiedenen Rollen: als Grundeigentümerin (öffentliches Gut – Gemeindestraße), als zuständige Behörde (wir brauchen für so eine Maßnahme einen straßenverkehrsrechtlichen Bescheid), als maßgebliche Playerin (Vermietung von Gastgärten und Gebäuden) und Stakeholderin (Standortgemeinde und Interessen der im Gemeinderat vertretenen Parteien)
  • Als technologiegetriebenes Unternehmen im Bereich kommunaler Infrastruktur sind wir daran interessiert, neue Methoden und Werkzeuge kennenzulernen und auszuprobieren, damit wir entsprechend dem „Stand der Technik“ und „lege artis“ agieren können.

Wie haben Sie den planungsbegleitenden Dialog erlebt? Welche Erfahrungen bzw. Learnings nehmen Sie für künftige Prozesse mit?

Dr. Thomas Pühringer: Als „sehr“. Damit will ich sagen: als sehr gut, sehr intensiv, sehr fordernd, sehr wertvoll, sehr hilfreich, sehr zielführend, sehr unterstützend. Als Betreiberin von Netzinfrastruktur und aus Sicht unserer unmittelbar zuständigen Kolleginnen und Kollegen in allen vier Geschäftsbereichen (Wasser, Abwasser, Strom-Netz und Telekom / Internet) betrachtet, ist das Erlebnis natürlich besonders beim ersten Mal: „mühsam, anstrengend, aufwändig und auch teuer“. Aber es macht sich aus meiner Sicht in jeder Hinsicht mehr als bezahlt. Ein englischsprachiger Mensch würde die Antwort wohl so formulieren und zusammenfassen: „Never again without it!“

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie wurde der Sanierungsplan auf ein Jahr konzentriert. Inwieweit war der im Vorfeld geführte planungsbegleitende Dialog hilfreich für die nun bevorstehenden Herausforderungen?

Dr. Thomas Pühringer: Der planungsbegleitende Dialog war in vielerlei Hinsicht sehr hilfreich. Wir konnten das Verständnis für die Notwendigkeit und Unumgänglichkeit der Maßnahmen schaffen und verankern. Damit war schon viel Vorinformation da bei den Betroffenen. Weiters taten wir uns in der heißen Phase der letzten Wochen vor dem wirklichen Baustart am 22.06.2020 im Umgang mit den weiteren Stakeholdern (Wirtschaftskammer, Tourismus­verband, Stadtmarketing, freiwillige Interessenvertretung der Wirtschaft etc.) viel leichter, konnten auf einer belastbaren Basis aufsetzen und so auch sinn- und wirkungsvolle Unterstützungsmaßnahmen in Gang setzen und verwirklichen. Der von clavis hoch professionell, engagiert und intensiv begleitete Prozess trug maßgeblich dazu bei, dass aus den Betroffenen Beteiligte wurden.

Fotonachweise: © Innsbruck Tourismus / Mario Webhofer / IKB

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