Best Practice in der Stadtentwicklung: Der Beteiligungs­prozess am Zechwald-Areal

11.11.2024
Im Zuge der Neugestaltung des Zechwald-Areals in Lindau-Zech hat sich gezeigt, wie wertvoll ein gut organisierter Beteiligungsprozess für die erfolgreiche Entwicklung eines Projekts sein kann. Das Team von clavis Vorarlberg hat in Zusammenarbeit mit der Stadt Lindau und der deutschen Rhomberg Bau GmbH einen umfassenden Dialog mit der Bevölkerung initiiert, der zu einer gemeinsamen Vision für das ehemalige Industrieareal führte.

Im Jahr 1950 siedelte sich die Firma Kunert in Lindau und Rankweil an. Bis in die Mitte der 60er Jahre betrieb Heinrich Kunert die Strumpffabrik mit in der Blütezeit bis zu 600 Beschäftigten. Gegen Ende der 90er Jahre wurde dann der Textilbetrieb in Lindau aufgegeben. In den folgenden Jahren wurde das gesamte Areal zum Gewerbepark umgenutzt sowie die Hallen und Büroflächen vermietet. Im April 2019 übernahm die Rhomberg Bau GmbH das heutige Zechwald-Areal. Das Areal soll gemeinsam mit der Stadt Lindau als neue urbane Stadtteilmitte für Lindau-Zech entwickelt werden. Die Ausgangslage dafür hätte schwieriger nicht sein können. Neben einem fragmentierten und uneinigen Stadtrat herrschte auch in der Bevölkerung ein großes Misstrauen gegenüber neuen Bauvorhaben in der Gegend. Als Lösung brachte Rhomberg einen Beteiligungsprozess ins Spiel. Innerhalb von nur zwei Monaten gelang es dadurch, Bewegung in das Vorhaben zu bringen und das Vertrauen aller beteiligten Parteien zu gewinnen. Ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs lag in der

engen Abstimmung zwischen Rhomberg Bau und der Stadt Lindau. „Alle Beteiligten waren sich einig, dass die Entwicklung eines urbanen Quartiers nur durch einen ergebnisoffenen und transparenten Beteiligungsprozess möglich sei. Besonders bemerkenswert war, dass sowohl die Firma Rhomberg als Auftraggeber als auch die Stadt Lindau von Anfang an bereit waren, sich ernsthaft und aktiv auf diesen Prozess einzulassen“, betont clavis-Geschäftsführer Dieter Bitschnau.

Foto des Beteiligungsprozesses für einen Blogbeitrag über den Beteiligungsprozess

Die Planungsdialoge: Zuhören, Verstehen, Umsetzen

 

Das Kernstück des Prozesses waren die vier Planungsdialoge, die von April bis Juli 2024 stattfanden. Diese Treffen boten den Bürger:innen, Vereinen, Unternehmen und sozialen Einrichtungen von Lindau-Zech die Möglichkeit, ihre Ideen und Bedürfnisse einzubringen. Thematisch wurden die Planungsdialoge auf die Schwerpunkte „Zukunftsperspektiven für Lindau-Zech und eine neue Stadtteilmitte“, „Leben, Wohnen & Freizeit“, „Arbeiten und Gewerbe“ sowie „Gestaltung öffentlicher Raum, Mobilität und Nachhaltigkeit“ ausgerichtet.

Nachdem die Zecher:innen ihre Wünsche und Ideen zur Zukunft des Zechwald-Areals eingebracht hatten, wurden die Ergebnisse in einem Konsolidierungsworkshop von den Mitgliedern der Steuerungsgruppe sowie Delegierten der vier Planungsdialoge diskutiert, finalisiert und priorisiert.

Foto des Beteiligungsprozess Zechwaldareal für einen Blogbeitrag über den Beteiligungsprozess

Die Absicht, mit diesem Prozess nicht nur Akzeptanz zu schaffen, sondern auch den städtebaulichen Wettbewerb durch die Einbeziehung der Ideen der Bürger zu optimieren, war von Beginn an klar definiert. Dieser offene Ansatz war ein Zeichen der Haltung der Auftraggeber, die sich nicht hinter einem bloßen „Feigenblatt“ versteckten, sondern echte Beteiligung anstrebten.

Ein weiteres wichtiges Learning war die Bedeutung klarer Rahmenbedingungen und Vorgaben durch die Steuerungsgruppe. Es war entscheidend, den Beteiligten aufzuzeigen, was im Rahmen des Projekts machbar ist und was nicht. Astrid Kühn-Ulrich, die für clavis den Prozess begleitete, hebt die Relevanz hervor: „Die Leitplanken halfen, die Diskussionen zu fokussieren und die Erwartungen aller Beteiligten zu steuern. Die klare thematische Eingliederung der Workshops ermöglichte es, spezifische Themenbereiche gezielt zu adressieren und einen konstruktiven Austausch zu fördern.“

Foto des Beteiligungsprozess Zechwaldareal für einen Blogbeitrag über den Beteiligungsprozess

Kreativität und Engagement als Schlüssel zum Erfolg

 

Die Bedeutung des Engagements der Bürger und der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten wurde auch von den Projektverantwortlichen hervorgehoben. Manuel Weiner, Leiter der Immobilienentwicklung bei der deutschen Rhomberg Bau, zeigte sich beeindruckt von der Dynamik und der Kreativität der Teilnehmenden: „Ich bin immer noch begeistert von der Kreativität und der Fülle wirklich guter Ideen zur Zukunft unseres Areals“, sagte er. „Sie haben ihre Freizeit geopfert, um sich einzubringen. Das ist nicht selbstverständlich, und dafür sind wir sehr dankbar“. Besonders wichtig ist es nun, die in den Dialogen gesammelten Vorschläge bestmöglich in die Ausschreibung für den städtebaulichen Wettbewerb einfließen zu lassen.

Auch Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons äußerte sich sehr positiv über den Prozess und betonte den gemeinschaftlichen Erfolg: „Dank des großartigen Engagements der Zecher Bürgerinnen und Bürger sowie der sehr guten Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung, den Stadträten, Rhomberg Bau und clavis konnten wir schnelle und konkrete Ergebnisse erzielen. Gemeinsam haben wir in nur vier Monaten ein zukunftsweisendes Konzept für den Stadtteil erarbeitet. Die konstruktive Atmosphäre und der partnerschaftliche Dialog haben maßgeblich zum Gelingen dieses Prozesses beigetragen.“

Foto des Beteiligungsprozesses für einen Blogbeitrag über den Beteiligungsprozess

Der Beteiligungsprozess zur Entwicklung des Zechwald-Areals hat eindrucksvoll gezeigt, dass durch einen strukturierten Dialog und die Einbindung der Bürger nicht nur Akzeptanz geschaffen, sondern auch echte Mehrwerte für die Stadt und ihre Bewohner generiert werden können. Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten, klare Vorgaben und die transparente Kommunikation haben den Weg geebnet, um das Projekt erfolgreich auf den Weg zu bringen.

Sie brauchen Unterstützung für Ihren Beteiligungsprozess?

Die Expert:innen von clavis beraten Sie gerne.

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