Digitale Partizipation in einer digitalen Gesellschaft

06.11.2024

Die Partizipation der Bevölkerung in die Entwicklung und Umsetzung von Projekten ist heutzutage unverzichtbar. Da digitale Technologien mittlerweile tief in die moderne Gesellschaft integriert sind, gewinnt auch die digitale Partizipation, also die Beteiligung von Bürger:innen über digitale Kanäle, zunehmend an Bedeutung. Mit der allgegenwärtigen Nutzung des Internets und der sozialen Medien wird die digitale Beteiligung zu einem entscheidenden Mittel und Erfolgsfaktor, um Bürger:innen effektiv in Entscheidungsprozesse einzubinden.

Wozu Partizipation?

 

Partizipation ist vor allem bei Prozessen, die die Lebensqualität von Anwohner:innen beeinflussen, unerlässlich. Einerseits ist es entscheidend, die betroffenen Bürger:innen frühzeitig und umfassend zu informieren sowie ihre Interessen zu erheben und zu berücksichtigen. Andererseits wird durch aktive Beteiligung lokales Wissen verfügbar. Nicht zuletzt verleiht eine möglichst breit angelegte Partizipation Projekten zusätzliche Legitimation und fördert im Idealfall den gesellschaftlichen Konsens.

Wieso digital?

 

Die moderne Gesellschaft ist längst von digitalen Technologien durchdrungen: Mit Stand 2024 verfügen mehr als 90% aller Europäer:innen über einen Internetzugang 1, zwischen 70 und 80% sind in sozialen Medien aktiv 2.

Digitale Technologien, insbesondere das Internet, stellen damit quantitativ gesehen mit Abstand das bedeutendste Kommunikationsmedium für die „digitale Gesellschaft“ der Gegenwart dar3. Neben der individuellen Kommunikation bei Dialogprozessen wie bei Dialogveranstaltungen, Bürger:innenräten oder gemeinsame Workshops erhält Beteiligung im digitalen Raum gerade bei größer angelegten Unternehmungen eine besondere Relevanz.
Foto einer Besprechung für einen Blogbeitrag zum Thema Digitale Partizipation
Bei Stadtentwicklungs- und Infrastrukturprojekten ist die betroffene Zielgruppe mitunter so groß und breit gefächert, dass analoge Formen der Partizipation rein logistisch gar nicht mehr möglich oder enorm ressourcenintensiv wären. In solchen Fällen eignen sich Tools der digitalen Partizipation, auch aufgrund ihrer hohen Skalierbarkeit, um eine niederschwellige und dennoch effiziente Form der Bürger:innenbeteiligung zu ermöglichen.

Partizipation vs. Information

 

Wichtig zu betonen ist: Information ist nicht gleich Partizipation! Partizipation ist, vereinfacht gesagt, ein dialogischer Prozess des konstruktiven gegenseitigen Austausches, während Information eine eindimensionale Form der Kommunikation darstellt, welche mit der Bereitstellung von Zahlen, Daten und Sachverhalten auskommt. Projektnewsletter, Blogs oder Websites können daher sowohl Instrumente der reinen Informationsvermittlung oder auch der Partizipation sein. Sobald diese Kommentarfunktionen, Diskussionsforen und Rückmeldemöglichkeiten enthalten, werden sie von Instrumenten der Ein-Weg-Kommunikationen zu Mitteln der digitalen Partizipation.

Foto von zwei Personen und einem Whiteboard für einen Blogbeitrag zum Thema Digitale Partizipation

Anwendungsfelder und Zielgruppen der digitalen Bürger:innenbeteiligung

 

Digitale Bürger:innenbeteiligung wird vor allem bei groß angelegten, langfristig geplanten und üblicherweise von der Verwaltung initiierten Projekten eingesetzt. Dazu zählen beispielsweise Stadt- und Raumplanungsprojekte sowie ein Ausbau der Infrastruktur. Bürger:innen erhalten Gestaltungsspielräume und können ihre Vorschläge, Kritik und Wissen in die Projekte einbringen.

Auch die Zielgruppe muss klar definiert werden: Es sollten vor allem jene Bürger:innen miteinbezogen werden, die von dem durchzuführenden Projekt und seinen Konsequenzen direkt betroffen sind oder ein spezielles Interesse daran haben. Im Kontext von Infrastrukturprojekten könnten dies zum Beispiel Anwohner:innen sein, welche besorgt über eine zusätzliche Verkehrsbelastung sind; bei der Planung eines Gewerbegebiets können neben den lokal bereits etablierten Unternehmen auch zukünftig interessierte Geschäftspersonen wertvolle Inputs liefern.

Instrumente der digitalen Beteiligung

 

Als Tools der digitalen Partizipation eignen sich insbesondere digitale Umfragen und Feedbackbögen. Dabei können entweder freie, offene Fragenformate eingesetzt oder auf Likert-Skalen und numerische Rankings zurückgegriffen werden.

Foto Person am Laptop für einen Blogbeitrag zum Thema Digitale Partizipation

Diese digitalen Instrumente lassen sich auch gut mit analogen Formaten verbinden, etwa indem auf einer postalisch versandten Umfrage ein QR-Code abgedruckt ist, der zur Online-Umfrage verlinkt. So kann der Aufwand für viele Teilnehmer:innen minimiert und gleichzeitig die Rücklaufquote erhöht werden. Denn: Die Forschung zeigt, dass am meisten Rückmeldungen bei einem crossmedialen Ansatz erwartet werden können 4.

Ein weiteres spannendes Konzept ist das „virtuelle Rathaus“. Diese Methode kommt der Face-to-Face-Kommunikation am nächsten, indem eine Austauschveranstaltung in Form einer Videokonferenz abgehalten wird. Die Vorteile hierbei liegen in der größeren Zugänglichkeit, einfacheren Organisation und Skalierbarkeit sowie der Möglichkeit, multimediale Formate und Materialien wie beispielsweise Whiteboards, Quizzes, Wordclouds und interaktive Karten zu nutzen. Außerdem können sich Beteiligte die Zeit der Anreise sparen und dennoch auf sehr persönlichem Weg mit den zuständigen Personen in Kontakt treten.

Einen sehr modernen cutting-edge Ansatz hingegen bieten Virtual- und Augmented-Reality-Technologien. Mit ihrer Unterstützung können Szenarien, wie etwa die Planung von Gebäuden, visualisiert und zugleich interaktiv gestaltet werden, was für die digitale Partizipation enormes Potenzial verspricht 5.

Mit einer WebGIS-Applikation kann über eine Internetseite außerdem eine interaktive Online-Karte zur Verfügung gestellt werden. Eine solche Karte beinhaltet grobe topographische Informationen zu bestehenden Gebäuden und der Infrastruktur, sowie eine Darstellung der geplanten Veränderungen bzw. Ergänzungen. Zusätzlich dazu können interaktive Elemente wie eine Kommentarfunktion für Fragen und Antworten sowie eine Zeichenfunktion für eigene Ideen der Nutzer:innen eingerichtet werden. Auf diese Weise können Interessierte auf unkompliziertem Wege Ideen und Feedback einbringen.

Foto eines Handys für einen Blogbeitrag zum Thema Digitale Partizipation

Die drei Vorteile der digitalen Partizipation

 

Digitale Partizipation bietet einige Vorteile gegenüber traditionellen Methoden:

  1. Niederschwelligkeit und Ease-of-Use – Durch die einfache Zugänglichkeit und den meist geringen Aufwand werden digitale Möglichkeiten der Partizipation eher wahrgenommen und genutzt.
  2. Flexibilität – Um Bürger:innen digital zu beteiligen, steht eine vielfältige Palette an Tools und Instrumenten zur Verfügung, die sich flexibel miteinander verknüpfen lassen.
  3. Skalierbarkeit und Effizienz ­­­­– Digitale Kanäle ermöglichen es, mit vergleichsweise geringem Ressourcenaufwand eine große Zahl von Bürger:innen zu erreichen und zur Partizipation zu ermuntern.

Das Wichtigste zusammengefasst

 

Digitale Partizipation ermöglicht eine noch effektivere Form der Bürger:innenbeteiligung, insbesondere bei großangelegten Projekten. Sie bietet klare Vorteile wie Niederschwelligkeit, Flexibilität und Ressourcenschonung. Am erfolgreichsten ist jedoch eine Kombination aus analogen Modellen und digitalen Instrumenten. Dadurch können vielfältige Beteiligungsformen realisiert werden, um eine möglichst breite und tiefgehende Beteiligung der (betroffenen) Bevölkerung sicherzustellen.

Wir von clavis sind auf verschiedene Formen der Bürger:innenbeteiligung spezialisiert. Ein aktuelles Projekt ist das Stadtentwicklungsgebiet RothNEUsiedl in Wien. Weitere Informationen dazu finden Sie hier: https://clavis.at/portfolio/stadtentwicklung-rothneusiedl/

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Die Expert:innen von clavis besitzen wertvolles Know-how und Praxiserfahrungen in Bezug auf verschiedenste Beteiligungsformate.

1 Statista (2024). Penetration rate of the internet by region. https://www.statista.com/statistics/269329/penetration-rate-of-the-internet-by-region/

2 Statista (2024). Social network penetration by region. https://www.statista.com/statistics/269615/social-network-penetration-by-region/

3 Seifert, A., & Rössel, J. (2022). Digital participation. In: Gu, D., Dupre, M.E. (Hrsg.) Encyclopedia of gerontology and population aging. Cham, Springer International Publishing. https://doi.org/10.1007/978-3-030-22009-9_1017

4 Greenlaw, C., & Brown-Welty, S. (2009). A comparison of web-based and paper-based survey methods: testing assumptions of survey mode and response cost. Evaluation review, 33(5), 464-480. https://doi.org/10.1177/0193841X09340214

5 Fegert, J., Pfeiffer, J., Reitzer, P., Götz, T., Hariharan, A., Pfeiffer-Leßmann, N., … & Weinhardt, C. (2021). Ich sehe was, was du auch siehst. Über die Möglichkeiten von Augmented und Virtual Reality für die digitale Beteiligung von Bürger: innen in der Bau-und Stadtplanung. HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik, 58(5), 1180-1195. https://doi.org/10.1365/s40702-021-00772-6

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