Endlich verstehe ich Sie! Deshalb ist einfache Sprache im Kommunikations­prozess so wichtig

Ob bei der Bürger:innenbeteiligung oder der Projektkommunikation, einfache Sprache ist überall dort wichtig, wo eine Bandbreite an Menschen erreicht werden soll. Barrierefreie Kommunikation bringt allen etwas, sie ermöglicht Teilhabe, Inklusion und vor allem Verständnis.

Denn neben Beamtendeutsch und Fachchinesisch ist für viele auch die deutsche Standardsprache nicht verständlich genug. Die letzte internationale OECD-Studie PIAAC hat ergeben, dass 17,1% der erwachsenen Österreicher:innen nur unzureichend lesen können. Für Menschen mit einfacher Bildung, Lese- & Rechtschreibschwächen oder einer anderen Erstsprache als Deutsch, ist ein hohes Sprachniveau oft zu schwierig.

Leicht verständliche Kommunikation schafft es, dass auch Personen erreicht werden, die sich normalerweise schwer damit tun, ein Bankschreiben oder die Fernsehnachrichten zu verstehen. Auch wer Informationen in kurzer Zeit erfassen will, dem hilft einfache Sprache. Sie vermeidet Missverständnisse und fördert Zufriedenheit, Vertrauen und Reichweite. Letztendlich spart einfache Sprache einem Unternehmen sogar Kosten, da weniger Beschwerden und reduziertes Nachfragen den Verwaltungsaufwand minimieren. In der internen Kommunikation kann mehr Verständlichkeit Arbeitsunfälle verhindern, weil Sicherheitsanweisungen eher begriffen werden. Diese Art von Sprache erreicht mehr Menschen und ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskommunikation.

Wie einfache Sprache funktioniert

Einfache Sprache ist mehr als Corporate Wording. Sie nennt sich auch „bürgernahe Sprache“ und ist eine vereinfachte Version der Alltagssprache.

Texte in einfacher Sprache sind leicht zu lesen, denn sie sind klar strukturiert. Man versteht das Gelesene oder Gehörte gleich beim ersten Mal. Als Maßstab wird das Sprachniveau B1 des gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen verwendet. Fremdwörter, Fachbegriffe sowie Metaphern werden vermieden und Sätze kurzgehalten. Texte sind auf die kommunikativen Fähigkeiten der Menschen abgestimmt, die mit dem Unternehmen zu tun haben.

Im konkreten Beispiel ist „Wenn Sie wollen, setzen Sie sich auf die Sessel“ einfacher zu verstehen als der Satz: „Alle Gäste haben die Chance, die Sitzmöglichkeiten zu verwenden.“

Zusätzlich gibt es auch noch leichte Sprache. Sie orientiert sich an der Sprachstufe A2 und wurde speziell für Menschen mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten entwickelt. Im Vergleich zur einfachen Sprache, gibt es in der leichten Sprache Sprach-, Inhalts- und Rechtschreibregeln. Die beiden genannten Sprachtypen gehören beide zu den leicht verständlichen Sprachen.

Spielzeugbuchstaben und -zeichen für einen Blogbeitrag zum Thema Einfache Sprache

Komplexe Fachsprache wird oft mit Kompetenz gleichgesetzt, doch gut gestaltete Informationen sind barrierefrei. Barrierefreie Texte sind nicht nur verständlich, sondern auch ansprechend gestaltet. Schriftart, Schriftgröße, Untertitel, eine klare Aussprache beim Sprechen und Rückfragemöglichkeiten bei live-Veranstaltungen tragen dazu bei, Kommunikationsbarrieren zu überwinden.

clavis-Projekte zu leicht verständlicher Sprache

Vor allem in Sozialbetrieben, wo Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenarbeiten, braucht es leicht verständliche Sprache. Deshalb kam barrierefreie Kommunikation auch bei der von clavis begleiteten Weiterentwicklung des Qualitätsstandards für Gewaltschutz für die Einrichtungen der Behindertenhilfe Tirol zum Einsatz. Neben Schrift- und Gebärdendolmetsch, halfen leichte Sprache und Visualisierungen dabei, dass sich alle Teilnehmer:innen gut beteiligen konnten. Im Sinne der barrierefreien Kommunikation gab es auch genug Vorbereitungszeit und Pausen für Rückfragen.

Im Rahmen des Projekts „VGKK spricht Klartext“ hat clavis den Prozess zur Neuausrichtung der schriftlichen Kommunikation der (vormals) VGKK konzipiert und begleitet. Dieser umfasste unter anderem die Entwicklung eines Klartext-Leitfadens, die Schulung von Mitarbeiter:innen sowie das Qualitätsmanagement bei der Überarbeitung der Vorlagen. Durch das Projekt sind die Standardschreiben nun in einer klaren, freundlichen Sprache formuliert und somit für die Zielgruppen besser verständlich.

Einfache Sprache als Schlüssel zum Erfolg

 

Leicht verständliche Sprachen haben ihren Ursprung im „Plain Language Movement“ der 1960er in den USA. Daraus resultierte unter anderem der „Plain Language Act„,  der die US-amerikanischen Bundesbehörden dazu verpflichtet, klare Regierungsinformationen, die für die Öffentlichkeit gut verständlich und nutzbar sind, zu verfassen. Seitdem wird immer öfter auf verständliche Texte geachtet, um Informationen verständlicher zu machen. Will man als Unternehmen eine Bandbreite an Menschen erreichen, so ist einfache Sprache unumgänglich.

Sie brauchen Unterstützung bei Ihrem Kommunikationsprojekt?

Wir von clavis beraten Sie gerne.

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