Familienunternehmen: Kommunikation als Erfolgsfaktor für gelungene Resilienz

Unternehmer:innen und Expert:innen betonten am Family Business Day der FH Kufstein Tirol die Bedeutung von Kommunikation für die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit und die Weiterentwicklung von Unternehmen – insbesondere von Familienunternehmen. clavis-Experte Rainer Hammerle war vor Ort und berichtet über seine Key-Takeaways.

Resilienz beschreibt die Fähigkeit von Unternehmen, auf Veränderungen zu reagieren und sich daran anzupassen. Dazu zählt auch die Möglichkeit, zukünftige Bedrohungen und Chancen zu antizipieren sowie eigene Schwachstellen zu erkennen – eine geradezu existenzielle Fähigkeit in Zeiten multipler Krisen. Für Prof. (FH) Dott. Markus Weishaupt, geschäftsführender Gesellschafter von Weissman International, müssen Unternehmen frei nach Nietzsche „Was uns nicht umbringt, macht uns nur stärker“ nicht nur resilient, sondern antifragil sein. Daher sollten Unternehmen nach der Krise nicht einfach in den Ausgangszustand zurückzukehren, sondern aufgrund der gewonnenen Erfahrungen bereits einen Schritt voran gehen. Zahlreiche Fakten untermauern diesen Ansatz. Schufen die börsennotierten Unternehmen zwischen 2011 und 2020 14 % neue Arbeitsplätze, so stellten die weltweit wichtigsten 500 Familienunternehmen zusätzliche 33 % an Mitarbeiter:innen ein. Sowohl bei der Eigenkapitalquote als auch beim Aktienkurs lagen die Familienunternehmen weit vorne.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Mitarbeitenden werden viele Freiheiten eingeräumt, Familienunternehmen pflegen häufig eine gute Fehlerkultur und dezentrale Organisationsformen, sie managen komplexe Themen und erkennen Chancen in Krisensituationen oft intuitiv. Entscheidende Faktoren für diese Herangehensweise stellen die Berufung zum Unternehmertum sowie Engagement und Loyalität zum Unternehmen dar. Familienunternehmer:innen identifizieren sich persönlich mit dem Unternehmen, das oft auch noch den eigenen Namen trägt. Aus der gleichlautenden Unternehmensbezeichnung erwächst besondere Verantwortung für den Ruf der Familie. Damit kommt der Kommunikation in Familienunternehmen eine zentrale Rolle zu. Denn permanenter Wandel erzeugt Gesprächsbedarf.

Vom Speck zu Soja

 

Für Karl Christian Handl, geschäftsführender Gesellschafter der Handl Tyrol GmbH, stellte der Generationenwechsel eine der wichtigsten Herausforderungen seiner unternehmerischen Tätigkeit dar. Um die Zukunft des traditionsreichen Speckherstellers zu sichern, erfolgte eine Aufteilung des Unternehmens zwischen Christian und seinem Bruder Markus, unter Einbeziehung des Vaters.

Über mehrere Jahre konnte dank externer Begleitung eine für alle tragfähige Lösung gefunden werden, die das Unternehmen auf sichere Beine stellte. Handl sieht als oberste Maxime den Blick über die Unternehmensgrenzen hinaus, um von den besten aus allen Branchen zu lernen. Innovation entsteht durch die Anpassung bestehender Technologien in einem neuen Kontext. Ob Verfahren aus der Autoindustrie – „der digitale Speck“ – oder die Nutzung von CT-Verfahren aus der Medizintechnik zum Scannen des Fleisches: Offenheit und Kommunikation über die Branche hinaus ermöglicht Fortschritt. Nur so konnten neue Produktlinien wie die „Rohwurst und Pausen Snacks“ oder die aus italienischem Soja hergestellten „Veggie Tyrolini“ entwickelt werden.

 

„Kompetenz statt Blut“

 

Auch die Atzwanger AG aus Südtirol stand 2002 vor einer Bereinigung der Gesellschaftsstrukturen. Die Basis für den heutigen Erfolg in den fünf Geschäftsbereichen Abfall-, Energie-, Badewasser-, Trink & Abwasser- sowie Gebäudetechnik wurde damals in vielen einzelnen Gesprächen gelegt.

Dank eines Leveraged-Family-Buy-Outs – einer Übernahme des Unternehmens durch Familienmitglieder mit hohem Fremdkapitaleinsatz zur Steigerung der Eigenkapitalrendite – wurde die Gesellschafterstruktur neu festgelegt und die Führung nach Kompetenz und nicht nach Familienzugehörigkeit ausgewählt.

Zum zentralen Erfolg tragen laut Thomas Atzwanger, Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates von Atzwanger AG, motivierte Mitarbeiter:innen, enge und langfristige Lieferantenbeziehungen und die Einbindung unabhängiger Expert:innen in die Unternehmensführung bei. Der externe Druck von Investor:innen nach Einhaltung der ISG-Richtlinien steigt stark an und bedarf kontinuierlicher   Kommunikation nach innen und außen. Die aktuelle Ausrichtung des Unternehmens orientiert sich an den Herausforderungen bzw. am Bedarf, den Klimawandel, Demografie und Ressourcenmangel erfordern. Zentral für die Resilienz von Unternehmen ist die Stärkung der Liquidität. Gerade disruptive Krisen erfordern einen starken finanziellen Hintergrund. Atzwanger war vor wenigen Jahren noch stark bei den ostdeutschen Kraftwerken in Brandenburg involviert, die von heute auf morgen wegen ausbleibender Gaslieferungen aus Russland stillgelegt wurden.

Auferstehung aus der Krise

 

Anna Aichinger und Denise Schurzmann übernahmen in jungen Jahren die Familienunternehmen in einer schweren Krise bzw. direkt aus einer Insolvenz. Oberstes Ziel neben der Neuausrichtung des Unternehmens war die Wiedergewinnung des Vertrauens der Stakeholder. Dank einer offenen und ehrlichen Kommunikation konnte das Vertrauen von Kapitalgebern, Kund:innen, Lieferanten und Mitarbeitenden mühsam wieder gewonnen werden. Im besten Fall bedarf es dieser Krisenkommunikation erst gar nicht und die Nachfolge kann rechtzeitig und strategisch zwischen Übergebern und Übernehmern geplant werden.

clavis kommuniziert für Familienunternehmen

 

Als Kommunikationsberatung begleitet clavis seit vielen Jahren mehrere Familienunternehmen in verschiedenen Branchen. Für die Atzwanger AG, einen führenden Anbieter von Anlagenbau und Umwelttechnik, übernimmt clavis seit Ende 2022 die klassische Medienarbeit in Italien und Österreich und war an der Neugestaltung des Außenauftritts beteiligt. Für Lindner Traktoren, ein Tiroler Traditionsunternehmen im Bereich Land- und Kommunaltechnik, verantwortet clavis die strategische Kommunikationsberatung, Medienarbeit und Journalist:innenbetreuung an. Mit STEKA-Werke technische Keramik zählt ein weiteres international agierendes Unternehmen zu den Kund:innen von clavis.

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