History Communication: Geschichte schreiben und erzählen

20.08.2024

Ob das Firmenjubiläum oder historische Ereignisse – Unternehmen, die seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten bestehen, blicken auf eine ereignisreiche Geschichte zurück. Zeitungsartikel von der Firmengründung oder das erste Mitarbeiter:innenfoto rufen alte Erinnerungen wach. Wenn Unternehmen beginnen, sich umfassend mit ihrer Geschichte zu befassen und sie intern oder extern zu kommunizieren, dann ist das History Communication.

(Corporate) History Communication ist ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmenskommunikation. Es beschreibt die systematische Aufarbeitung und kommunikative Darstellung der Unternehmensgeschichte, um die Identität und Reputation eines Unternehmens zu stärken. Integriert in die Marketing- und PR-Strategie kann die Firmenhistorie so zu einem wirksamen Instrument werden. Kurz gesagt: Ein spannendes Thema, das für viele Unternehmen und ihre Kommunikation an Bedeutung gewinnt.

Wieso braucht ein Unternehmen History Communication?

Es gibt zahlreiche Unternehmen, die sich nicht oder nur unzureichend mit ihrer Geschichte befassen. Werden dann zum Beispiel Verstrickungen in der NS-Zeit, Kollaboration oder sogar aktive Unterstützung und Mitwirkung an den Gräueltaten der Nazis bekannt, reagieren Unternehmen oftmals abweisend, unkooperativ, oder versuchen – im schlimmsten Fall – die

Geschichte zu schönen. Das Ergebnis ist immer gleich: Es entstehen kommunikative Krisen, die wiederum einen nachhaltigen Reputationsverlust nach sich ziehen. Ein aktuelles Beispiel wurde erst kürzlich medial diskutiert: Die Brauerei Zipf verweigerte Jugendlichen den Zutritt zu Teilen eines ehemaligen KZ-Außenlagers auf dem Firmengelände. Dies führte zu negativer Medienberichterstattung und viel Kritik. Schließlich lenkte die Unternehmensleitung auf den medial-öffentlichen Druck hin ein und erklärte alles zu einem Missverständnis.

„Wir raten unseren Kund:innen in solchen konkreten Fällen zu klarer Aufarbeitung, möglichst unter Einbeziehung von Expert:innen sowie einer wahrhaftigen Dokumentation und öffentlichen Präsentation der Ergebnisse. Wo sinnvoll und notwendig, sollten Nachfahren von möglichen Opfern angesprochen und miteinbezogen werden. Damit dokumentiert das Unternehmen seine Verantwortung auch heute noch. Ich habe in der Begleitung und Beratung von Unternehmen in ähnlichen Situationen erlebt, dass das alles hilft und wirkt – nach innen und außen! Und es stärkt die Reputation, das höchste Gut eines Unternehmens und einer Marke!“, stellt clavis-Gesellschafter Harald Schiffl fest.

Doch History Communication dient nicht nur der Krisenprävention. Eine gut aufbereitete und kommunizierte Unternehmensgeschichte kann positiv zur Identitätsbildung und Mitarbeiter:innenbindung beitragen. Mitarbeitende können stolz darauf sein, einen Teil der Geschichte mitgeschrieben zu haben und werden sich freuen, diese als Corporate Influencer:innen nach außen zu tragen.

Eine Geschichte – viele Kanäle

 

Im Laufe der Jahr(-zehnte) sammeln sich viele Dokumente, Fotos und Unterlagen im Unternehmen an. Der klassische Weg für die Aufbewahrung ist die Chronik. Dort werden Zeitdokumente gesammelt und strukturiert. Ein Multichannel-Ansatz ermöglicht es, das Material zu verarbeiten und unterschiedliche Zielgruppen damit zu erreichen: Steht ein Firmenjubiläum vor der Tür, können alte Berichte oder Anekdoten für die klassische Medienarbeit genutzt werden. Häufig werden solche Meilensteine im Rahmen von Events gefeiert. Ein Zusammenschnitt aus altem Bildmaterial ermöglicht eine eindrucksvolle Darstellung der Unternehmensgeschichte und verleiht der Veranstaltung eine persönliche Note. Auch digitale Kanäle sollten beachtet werden. Auf der Unternehmenswebsite kann beispielsweise eine eigene Unterseite mit Informationen über die Entwicklung des Unternehmens angelegt werden. Auch auf Social Media lassen sich alte Fotos nutzen, um die Follower:innen teilhaben zu lassen.

Tipps für Ihren Praxisalltag

 

Sie möchten auch beginnen, sich intensiver mit Ihrer Unternehmensgeschichte zu befassen? Wir haben einige Praxistipps für Sie gesammelt:

1. Systematische Dokumentation der Unternehmensgeschichte: Sammeln und archivieren Sie alle relevanten Dokumente, Fotos und Berichte aus der Vergangenheit des Unternehmens. Ein physisches und/oder digitales Archiv hilft, Meilensteine und bedeutende Ereignisse nicht zu vergessen und bildet die Basis für History Communication.

2. Regelmäßige Kommunikation: Integrieren Sie die Geschichte Ihres Unternehmens in die laufende Kommunikation. Teilen Sie Anekdoten und Erfolge in regelmäßigen Unternehmensupdates oder entwickeln Sie eine eigene Marketingkampagne anlässlich eines Firmenjubiläums. So wird das Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeitenden gestärkt und die Identifikation mit dem Unternehmen erhöht.

3. Multichannel-Ansatz: Nutzen Sie verschiedene Kommunikationskanäle, um Ihre Geschichte zu erzählen. Ob Websites, Social Media und Newsletter oder traditionelle Medien wie Zeitschriften: Über unterschiedliche Plattformen können Sie Ihre Geschichte an diverse Zielgruppen vermitteln und erhöhen die Sichtbarkeit des Unternehmens. Wichtig zu beachten ist, den Inhalt stets entsprechend anzupassen.

4. Transparente und ehrliche Kommunikation: Authentizität ist entscheidend. Vermeiden Sie nicht die schwierigen Kapitel Ihrer Geschichte. Bieten Sie Kontext und arbeiten Sie schwierige Themen gegebenenfalls mit Expert:innen auf. Nur so können Vertrauen und Glaubwürdigkeit bewahrt werden.

Jubiläum / History Communication

History Communication ist ein wichtiges Werkzeug, das Unternehmen dabei hilft, ihre Vergangenheit zu verstehen und ihre Zukunft zu gestalten. Indem Unternehmen ihre Geschichte aufarbeiten und authentisch kommunizieren, können sie ihre Identität und Reputation stärken und die Bindung ihrer Stakeholder stärken.

Sie brauchen Unterstützung beim Erzählen Ihrer Unternehmensgeschichte?

Die Expert:innen von clavis beraten Sie gerne.

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