Schlüsselgespräch: Wie wir mit Kommunikation gegen Gewalt kämpfen können

Im neuen clavis-Schlüsselgespräch spricht Expertin Drin Yvonne Seidler vom Verein Hazissa gemeinsam mit clavis-Gesellschafterin Sabine Volgger über die Rolle von Kommunikation für den Gewaltschutz: Wie kann Kommunikation bei der Prävention und Intervention helfen? Welche Auswirkungen haben soziale Medien auf den Gewaltschutz? Wie sollte am besten über Gewaltvorfälle berichtet werden, um sowohl für das Thema zu sensibilisieren als auch die Opfer zu schützen? Antworten auf diese und weitere Fragen werden im Podcast gegeben.

In einer Welt, die geprägt von Konflikten, Spannungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen ist, gewinnt der Schutz vor Gewalt zunehmend an Bedeutung für das Wohlergehen der Gesellschaft. Besonders auch in institutionellen Einrichtungen, wie beispielsweise Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie Einrichtungen der Behindertenhilfe ist effektiver Gewaltschutz ein präsentes Thema. Eine unerlässliche Komponente in diesem Bestreben ist die Kommunikation. Sie fungiert als entscheidender Faktor, um physische, psychische und emotionale Gewalt einzudämmen und präventive Maßnahmen zu etablieren. Welche Rolle die Kommunikation im Kontext des Gewaltschutzes einnimmt, analysiert Drin Yvonne Seidler im Podcast, indem sie aufzeigt, wie Kommunikation dazu beitragen kann, Missstände aufzudecken und Opfern eine Stimme zu verleihen.

 

Hier können Sie das gesamte Schlüsselgespräch anhören:

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Die Inhalte im Überblick:

 

Wie kann Kommunikation bei der Prävention von Gewalt helfen? Wie bei der Intervention?

In der Prävention geht es primär um die Sensibilisierung für das Thema Gewalt und Gewaltschutz. Es ist wesentlich, grundlegende Informationen passend und niederschwellig aufzubereiten und zu kommunizieren. Außerdem ist das Thema Haltungen sehr wichtig: Welche Haltung nimmt beispielsweise eine Einrichtung im Umgang mit einer Gewaltsituation ein? Um diese Aspekte abzudecken, spielen der direkte, persönliche Austausch und die Kommunikation eine wesentliche Rolle.

Geht es hingegen um Intervention, beispielsweise um den Umgang mit Verdachtsfällen, sind Kommunikationswege für Mitteilungs- und Dokumentationspflichten bedeutend. Wer dokumentiert was und wie? All das muss klar definiert werden. Intervention kann nur dann gelingen, wenn bei allen beteiligten Parteien Klarheit über die Verfahrensschritte herrscht und diese im ständigen Austausch kommuniziert werden.

Inwiefern haben die sozialen Medien Auswirkungen auf den Gewaltschutz?

Wir haben beobachtet, dass soziale Medien sehr hilfreich für den Austausch und die Vernetzung mit Betroffenen sein können. Das hat man beispielsweise gut bei der Me-Too-Bewegung gesehen. Durch den niederschwelligen Zugang haben Betroffene das Gefühl, dass sie nicht alleine in der Situation sind. Außerdem bieten soziale Medien eine hervorragende Möglichkeit, zu sensibilisieren und vor allem junge Menschen gezielter anzusprechen.

Allerdings darf nie außer Acht gelassen werden, dass durch die Entwicklung der sozialen Medien und durch den digitalen Wandel auch neue Formen der Gewalt entstehen. Diese erfordern neue Herangehensweisen und Methoden für den Gewaltschutz.

Sind Einrichtungen auf den Umgang mit Gewaltvorfällen vorbereitet? Gibt es Krisenrichtlinien oder Ähnliches für den Umgang mit Medien?

Am schwierigsten ist es meistens, mit Gewaltvorfällen innerhalb der Einrichtung umzugehen. Dort ist die Betroffenheit besonders hoch und die Teamkultur wird massiv beeinflusst. Um hier für Prävention zu sorgen, ist eine frühzeitige Unterstützung von außen wichtig.

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Auch auf den Umgang mit Medien müssen die Einrichtungen vorbereitet sein. Das Interesse der Medien liegt nämlich meistens eher in der Skandalisierung, was man auch an der Sprache merkt. Um angemessen darauf reagieren zu können, ist es unerlässlich, dass Krisenhandbücher als Bestandteil der Interventionspläne entwickelt werden. Nur so kann eine geregelte Kommunikation nach außen gewährleistet werden.

 

Wie sollte am besten über Gewalt berichtet werden? Wie bewerten Sie die Balance zwischen Emotionen und Fakten?

Wichtig ist immer, dass Fakten und Wissen vermittelt werden. Angst zu machen ist hingegen nicht hilfreich. Es braucht Aufklärung, um Mythen oder Ängste nicht zu verstärken, sondern abzuschwächen und die Gewaltopfer zu schützen. Wesentlich ist jedenfalls, dass sichtbar gemacht wird, dass Gewalt in unserer Gesellschaft ein Thema ist.

 

Welche Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass die Anzahl an Gewaltvorfällen sinkt?

Die Tatsache, dass Menschen mittlerweile offener darüber sprechen und sich mit anderen Betroffenen vernetzen können, trägt dazu bei, dass Gewalt zurückgeht. Es gibt heutzutage einfach mehr Möglichkeiten, Vorfälle öffentlich zu kommunizieren. Außerdem wurde seit den 80er und 90er Jahren verstärkt zum Thema Gewalt und Gewaltschutz geforscht, wodurch das Wissen größer wird. Gesetzliche Veränderungen spielen eine zusätzliche Rolle für die Prävention von Gewalt. Man kann also sagen: Kommunikation und das „Darüber Sprechen“ wirkt sich sehr positiv auf Gewaltschutz auf.

Die Gesprächspartnerinnen:

Drin Yvonne Seidler hat Erziehungswissenschaften studiert und mehrere Zusatzausbildungen absolviert. Bereits in ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit der Prävention sexueller Gewalt. Aus diesem Interesse heraus hat Drin Seidler 2003 die Fachstelle Hazissa gegründet und ist dort bis heute Geschäftsführerin. Der Verein gilt als Präventionsprojekt gegen sexuelle Gewalt. Hazissa ist hauptsächlich im institutionellen Kontext, wie Einrichtungen für Kinder- und Jugendhilfe, Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Schulen tätig.

clavis-Gesellschafterin Mag.a Sabine Volgger ist Expertin für Strategie-, Kommunikations- und Beteiligungsprozesse sowie Konfliktmanagement im In- und Ausland. Hier liegen ihre Schwerpunkte in der Konzeption und Moderation dieser Prozesse. Volgger studierte Rechtswissenschaften in Innsbruck und London/Kalifornien und ist ausgebildete Mediatorin. Ab 2001 war sie bei SVWP Kommunikationsmanagement als Standortleiterin und geschäftsführende Gesellschafterin aktiv. 2014 fusionierte sie das Unternehmen SVWP mit clavis Kommunikationsberatung.

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