Mitarbeiter:innen-Rat: Warum es sinnvoll ist, bei Beteiligungsprozessen auch nach innen zu schauen

„Unsere Mitarbeiter:innen sind unser größtes Kapital“– diesen Satz hört man oft, aber warum wird das Potenzial des „Human Capitals“ nicht auch in einem Beteiligungsprozess genützt? Mitarbeiter:innen-Räte können die Motivation, das Engagement und die Zufriedenheit von Mitarbeitenden stärken und dabei gleichzeitig wertvolle Inputs für die Projektkommunikation liefern. Wie das funktioniert, erläutern wir hier genauer.

Unter Beteiligungsprozessen versteht man das Zusammenwirken von Entscheidungsträger:innen und Betroffenen bzw. Interessierten in unterschiedlichen Formaten – von Informationsaustausch und Dialogen bis hin zur aktiven Partizipation. Gerade bei Infrastruktur- und Energieprojekten sind Beteiligungsprozesse mittlerweile ein nicht mehr wegzudenkender Teil der Kommunikationsstrategie. Und das zurecht, denn Beteiligungsprozesse sind aus mehreren Gründen wichtig:

  1. Transparenz und Vertrauen: Sie ermöglichen es den Beteiligten, die Entscheidungsfindung nachzuvollziehen und Vertrauen in den Prozess zu gewinnen.
  2. Vielfältige Perspektiven: Das Einbeziehen von verschiedenen Perspektiven und Ideen führt zu besseren und umfassenderen Lösungen.
  3. Verantwortung und Engagement: Sie fördern das Engagement und die Verantwortung der Beteiligten, da sie sich stärker in den Prozess einbezogen fühlen.
  4. Konfliktminderung: Sie können dazu beitragen, Konflikte zu mindern oder zu vermeiden, indem sie sicherstellen, dass alle Stimmen gehört und Kompromisse gefunden werden.
  5. Demokratische Prinzipien: Partizipation unterstützt demokratische Prinzipien, indem Entscheidungen nicht ausschließlich von einer kleinen Gruppe getroffen werden.
Mitarbeiter:innen-Räte im Beteiligungsprozess

Eine Methode der Partizipation in einem Beteiligungsprozess sind sogenannte „Wisdom Councils“, oder auch Bürger:innen-Räte genannt. Dort wird eine Gruppe aus zufällig ausgewählten Teilnehmer:innen aus der Bevölkerung dazu eingeladen, die eigenen Ideen und Ansichten zu einem bestimmten Thema zu diskutieren und gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten. Meist findet dieser Austausch zwischen einer Organisation und der Öffentlichkeit statt. Mindestens genauso wertvoll wie der Dialog nach außen ist auch der Blick ins Innere – und genau hier kommen sogenannte Mitarbeiter:innen-Räte ins Spiel.

 

Wie funktionieren Mitarbeiter:innen-Räte?

 

Für einen Mitarbeiter:innen-Rat werden circa 12–14 Personen des Personals aus den verschiedensten Bereichen eines Unternehmens per Zufall ausgewählt und für ein bis zwei Tage in den Rat einberufen. Vorweg können Themen oder Fragen festgelegt werden, die im Rahmen des Rates besprochen werden. Durch den Workshop geleitet werden die Teilnehmenden meist anhand der „Dynamic Facilitation Methode“. Hierbei ist die wohl größte Besonderheit, dass die Teilnehmenden nicht direkt untereinander diskutieren, sondern nacheinander mit der Moderation sprechen. Damit bekommen alle die Chance, ihre Meinung offen zu kommunizieren, ohne dafür kritisiert oder verurteilt zu werden. Wesentlich ist hier, dass der Rat von einer neutralen, externen Person moderiert wird, damit die Teilnehmer:innen auch wirklich frei sprechen. Während eine Person redet, heißt es für die anderen Teilnehmenden: aktiv zuhören! Dadurch bleiben die Diskussionen sachlicher und es ergeben sich reflektierte und konstruktive Gesprächsrunden. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Dynamic Facilitation Methode ist, dass die Moderation das Gesagte für alle sichtbar auf Flipcharts mitschreibt und in Informationen, Bedenken und Lösungen kategorisiert. Es gibt dabei aber keine Reihenfolge für das Abarbeiten der einzelnen Punkte, sondern es ist vielmehr ein freier Prozess der Ideenfindung, bei dem zu jeder Zeit jede Art von Input erwünscht ist.

 

Im Anschluss an das Sammeln der unterschiedlichen Ansichtsweisen und Lösungsansätze, ist es das Ziel eines Mitarbeiter:innen-Rates, gemeinsam Ergebnisse zu formulieren.

Mitarbeiter:innen-Räte im Beteiligungsprozess

Diese werden dann den Entscheidungstragenden – wie beispielsweise der Geschäftsführung, dem Vorstand oder der zuständigen Projektleitung – vorgestellt. Dieser Punkt ist essenziell, damit die Teilnehmenden verstehen, dass ihr Engagement auch anerkannt und ihre Beiträge in den Strategieprozess aufgenommen werden. Die Mitarbeitenden müssen daher im Nachgang auch darüber informiert werden, was mit den präsentierten Ergebnissen passiert.

Welche Vorteile bieten sich durch Mitarbeiter:innen-Räte?

 

Die Mitarbeitenden befinden sich an der Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und den Entscheidungstragenden. Sie nehmen durch ihr privates Umfeld die Standpunkte der Bevölkerung und in ihrem Berufsalltag auch die des Unternehmens wahr, wodurch sie oft Lösungsansätze hervorbringen, die die Ansprüche beider Seiten vereinen. Darüber hinaus sind Mitarbeiter:innen-Räte nicht nur eine wertvolle Maßnahme für die Kommunikation, sondern auch für das Employer Branding. Studien belegen, dass gerade die jüngere Generation sich immer mehr nach Berufen sehnt, die die Möglichkeit bieten, Eigeninitiative zu zeigen und etwas zu bewegen1. Ein Mitarbeiter:innen-Rat ermöglicht genau das: Die einzelnen Stimmen finden nicht nur Gehör, sondern tragen auch nachhaltig zur Entwicklung von Organisationsprozessen bei. Dadurch werden sowohl die Mitarbeiter:innenmotivation und -zufriedenheit als auch das Engagement und der Zusammenhalt im Team gestärkt – ein Faktor, der in aktuellen Studien ebenfalls als sehr wichtig bewertet wird1. Dazu kommt, dass Mitarbeiter:innen starke Meinungsträger:innen sind. Bindet man sie daher in bestehende Prozesse ein und überzeugt sie von den eigenen Projekten, dann tragen sie diese Überzeugung als Corporate Influencer:innen auch nach außen.

Mitarbeiter:innen-Räte im Beteiligungsprozess

Kurz zusammengefasst:

 

Die Anwendungsbereiche für Mitarbeiter:innen-Räte in einem Beteiligungsprozess sind vielfältig. Es kann sowohl für interne Prozesse als auch für die Kommunikationsstrategie nach außen darauf zugegriffen werden. Ebenso zahlreich sind die Vorteile eines solchen Rates. Die Mitarbeitenden fühlen sich gehört, wertgeschätzt und in ihrer Kompetenz bestärkt. Ergo: Eine wirklich effiziente Nutzung des „wichtigsten Kapitals“!

Sie brauchen Unterstützung bei der Organisation und Moderation eines Mitarbeiter:innenrates oder Bürger:innenbeteiligungsprozessen?

Das Team von clavis berät Sie gerne.

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