Trend-Reality-Check: Die wichtigsten Learnings vom Kommunikationskongress Berlin

Wir sind ständig erreichbar, immer online – und haben trotzdem oft das Gefühl, nicht mehr nachzukommen. Dass uns die Digitalisierung zwar Zeit kostet, richtig eingesetzt aber auch dabei helfen kann, mehr Zeit zu haben, war das Thema des Kommunikationskongresses Mitte September in Berlin.

Wir waren Teil des Weiterbildungs- und Networking-Events von Quadriga und dem Bundesverband Deitscher Pressesprecher (BDP) und haben gemeinsam mit rund 1.500 anderen TeilnehmerInnen zwei spannende Tage in Berlin verbracht. Und natürlich die wichtigsten Trends und Erkenntnisse für Sie zusammengefasst – Reality-Check inklusive.

Trend #1: Virtuelle PR

Bei jeder Pressekonferenz dasselbe Spiel: Trotz relevanter Inhalte, zentraler Location und optimaler Uhrzeit gibt es kaum Anmeldungen von JournalistInnen. „Geht sich leider nicht aus“ ist in Zeiten kontinuierlich schrumpfender Print-Auflagen keine Ausrede, sondern Realität. Wenn immer weniger RedakteurInnen immer mehr Arbeit erledigen müssen, wird die Anwesenheit vor Ort zum Luxus. Eine Entwicklung, die nicht nur KMU betrifft, sondern auch börsennotierte, internationale Unternehmen: Bei der jährlichen Bilanzpressekonferenz des Automobilherstellers Continental etwa waren 2014 gerade noch 21 Journalisten vor Ort – Grund genug für Conti, zu entscheiden, Pressekonferenzen (PK) ins Netz zu verlegen. Resultat: Beim letzten „Media-Webcast“ registrierten sich knapp 100 JournalistInnen, um ihre Fragen an die CEOs stellen zu können. Und weitere 1.100 Zuseher verfolgten die Pressekonferenz im Livestream.

Reality Check

Ist die virtuelle Pressekonferenz also die erlösende Idee für geplagte KommunikatorInnen?

Ja und Nein. Ganz eindeutig bietet sich die PK im Netz für Unternehmen an, die große nationale oder internationale Märkte haben und JournalistInnen im ganzen Land bzw. auf der ganzen Welt erreichen möchten. Conti organisiert beispielsweise für RedakteurInnen in Frankreich und China eigene „Viewings“, Betreuung von MitarbeiterInnen vor Ort inklusive. Die Pressekonferenz wird in englischer Sprache gehalten und simultan ins Chinesische übersetzt.

Wer also überregional kommuniziert, für den könnten sich digitale PR-Formate definitiv auszahlen – denn welcher Journalist reist für eine PK schon um die halbe Welt? Damit alleine ist es aber nicht getan, denn: Das persönliche Gespräch bleibt. Auch Continental bietet begleitend zur Pressekonferenz 10-minütige Einzelinterviews an und veranstaltet zusätzlich Hintergrundabende mit interessierten JournalistInnen.

Reine Online-Kommunikation ist also auch für den Reifen-Riesen zu wenig. Trotzdem können Kommunikationssysteme, die in vielen Firmen beispielsweise schon zum internen Austausch genutzt werden, auch in der PR gute Dienste leisten – und so dabei helfen, Zeit zu sparen.

Trend #2: Alte Ideen auf neuen Kanälen

Vor einigen Jahren war die Samstagabendgestaltung der meisten Menschen äußerst vorhersehbar: Alle saßen vor dem Fernseher.

Wer sich heute entspannen, unterhalten und erholen will, greift nicht mehr zur Fernbedienung, sondern immer öfter zum Smartphone. Dabei ist nicht unbedingt alles neu, was Millenials und Junggebliebene online konsumieren. Die Inhalte haben nur den Kanal gewechselt. So gelang es beispielsweise dem Energieversorger E.ON, mit einer klassischen Samstagabendshow große Erfolge zu feiern. Mit einer Reichweite von 2018 knapp unter und 2019 deutlich über 7 Millionen Usern lagen die „E.ON Power Games“ deutlich über ähnlichen Fernseh-Formaten wie „Schlag den Star“. Das Interessante an dem inszenierten Wettkampf zwischen zwei Teams: Die Show wurde ausschließlich über Facebook Watch, den Videodienst des Sozialen Netzwerks, ausgestrahlt. Und: Die „rivalisierenden“ Gruppen bestanden aus InfluencerInnen und TV-Sternchen, die allesamt mehrere tausend (junge) Follower auf den sozialen Netzwerken vorweisen können. Letztere hatten auf Facebook die Möglichkeit, über Kommentare direkt in den Spielverlauf einzugreifen und so „ihrem“ Team zum Sieg zu verhelfen. Insgesamt verzeichnete E.ON bei der Ausstrahlung 2019 dadurch rund 15.000 Kommentare.

Reality Check

Brauchen Firmen in Zukunft also eine eigene TV-Sendung, um insbesondere bei einer jungen Zielgruppe anzukommen?

Nicht unbedingt. Was jedes Unternehmen aus dem Beispiel Power Games mitnehmen kann, ist: Auch die unter 30-Jährigen möchten gut unterhalten werden und mitfiebern. Emotion und Relevanz kommen nicht aus der Mode – ebensowenig wie das Bewegtbild. Wer nicht wie E.ON einen mehrstelligen Millionenbetrag als Werbebudget zur Verfügung hat, setzt stattdessen auf professionelle Videos.

Trend #3: Podcasts

Was vor zehn Jahren Content war, sind heute Podcasts: Der heilige Gral des Marketings. Wer glaubt, diesen Mega-Trend, der im deutschsprachigen Raum gerade noch in den Kinderschuhen steckt, ignorieren zu können, sollte sich kurz mit den Vorteilen des „Hörspiels 2.0“ auseinandersetzen:

  • Der Podcast-Markt ist noch nicht gesättigt. 2018 hörten ca. 22 Prozent der Deutschen Podcasts. Zu Österreich liegen noch nicht einmal Zahlen vor. Wer heute einen Podcast-Kanal etabliert, buhlt noch nicht mit 3.000 anderen um dieselbe Hörerschaft. Und ist beim „Netflix des Hörens“ vorne mit dabei.
  • Jeder, der ein Smartphone und ein Mikrofon sein Eigen nennt, kann Podcasts produzieren. Wie zu Beginn des Youtube-Hypes stehen bei Podcasts die Inhalte im Vordergrund, die Qualität muss (noch) nicht perfekt sein. Eine sympathische Sprecherstimme, rauschfreie Aufzeichnung und relevante Themen immer vorausgesetzt.
  • Podcasts sind das perfekte Format für Experten-Themen. Wissens-Sendungen erleben hier einen regelrechten Boom. Das ist das Stichwort für alle Unternehmen, die nicht im Bereich Food & Lifestyle, sondern Technik und Wissenschaft tätig sind. Setzt euch hinter die Mikros!

Fazit

Auch wenn die Produktion von Videos und Podcasts nicht unbedingt dazu beitragen, Zeit einzusparen, so erfüllen sie doch eine wichtige Funktion: Sie erleichtern die direkte Kommunikation mit KundInnen, GeschäftspartnerInnen und Interessierten. Noch nie war es so leicht, Inhalte zu verbreiten – und direktes Feedback zu erhalten. Besser kann man seine Zeit im Berufsalltag wohl nicht investieren.

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