Die Energiewende braucht gelingende Projekte an geeigneten Standorten. Windräder in Sichtweite oder große PV-Anlagen in der Nachbarschaft sorgen oft für Skepsis, wo Zustimmung notwendig wäre. Wie schafft man diese Zustimmung? Eine mögliche Antwort liefern Modelle der finanziellen Bürgerbeteiligung.
Die Deutsche Studie Finanzielle Bürgerbeteiligung (DSFB) von PwC Legal und eueco aus dem November 2024 hat die Perspektive von Projektentwicklern erhoben und analysiert. Die Ergebnisse sind auch für Österreich relevant, weil die Ausbauziele ambitioniert, die Genehmigungsprozesse lang und die Debatten aufgeheizt sind.
Der wichtigste Befund der Studienautoren Matthias Schuppenhauer (eueco) und Christopher Wagner (PWC Legal): Finanzielle Bürgerbeteiligung wird nicht vorrangig zur Finanzierung eingesetzt, sondern zur Akzeptanzsteigerung. 85 % der befragten deutschen Projektträger nennen genau das als Hauptmotiv, weit vor regionaler Wertschöpfung oder politischem Druck. Kapitalgewinnung folgt erst an siebter Stelle. Für Österreich, wo zahlreiche Projekte an Widerständen auf lokaler Ebene scheitern, ist das ein klares Signal: Wer Beteiligung als Kommunikationsstrategie versteht, hat bessere Chancen auf Realisierung.
Kommunikation beginnt vor dem Spatenstich
Studienautor Schuppenhauer sagt: „Gerade in der Frühphase von Projekten entscheidet sich oft, ob Akzeptanz entsteht oder Ablehnung wächst. Finanzielle Beteiligung schafft hier einen wichtigen Einstieg in den Dialog. Sie macht aus Betroffenen Beteiligte, verlagert den Fokus von Kosten zu Chancen und schafft Möglichkeiten für Identifikation.” Eine gezielte Projektkommunikation, die Bürgerbeteiligung nicht nur als Tool, sondern als Haltung begreift, könne Konflikte minimieren und Vertrauen aufbauen.
Zwei Drittel der 271 befragten Unternehmen haben bereits Bürgerbeteiligungen umgesetzt, viele planen weitere Projekte. Die Zufriedenheit mit den gewählten Modellen ist hoch: im Schnitt vergeben die Unternehmen 7,3 von möglichen 10 Punkten. Besonders positiv bewerten Projektträger, dass die Projektkommunikation eine ganz neue Dimension dazu gewinnt: Beteiligungsmodelle wie Genossenschaften oder Nachrangdarlehen bieten nämlich Anknüpfungspunkte für lokale Kampagnen, Medienarbeit und transparente Information.

Finanzielle Beteiligung als Kontaktpunkt
Ein dynamischer Bereich ist die digitale Schwarmfinanzierung (Crowdinvesting) zum Beispiel über Nachrangdarlehen. Es ist flexibel, niedrigschwellig und lässt sich gut in Kommunikationsmaßnahmen integrieren. Die Autoren sehen darin Chancen: „Plattformen unter eigenem Label ermöglichen direkte Ansprache, Projektbezug und klare Botschaften. Diese Kombination aus Beteiligung und digitaler Kommunikation schafft Sichtbarkeit, Glaubwürdigkeit und letztendlich auch das nötige Vertrauen.” Drei Viertel der befragten Unternehmen würden dieses digitale Modell erneut nutzen.
Freiwilligkeit mit Rahmen
Einheitliche Regeln sind willkommen, aber verpflichtende Vorgaben werden kritisch gesehen. In Deutschland existieren erste Länderregelungen zur Bürgerbeteiligung. Die Projektträger wünschen sich für solche Regelungen Freiwilligkeit unter transparenten und fairen Rahmenbedingungen. Für Österreich, wo Beteiligung oft projekt- und/oder gemeindespezifisch geregelt wird, könnte ein nationaler Rahmen Orientierung und Klarheit schaffen.
Wagner und Schuppenhauer analysieren dazu: „Finanzielle Bürgerbeteiligung ist nicht auf einige wenige Unternehmen reduziert. Viele Projektierer bieten sie an. Die Modelle sind zwar unterschiedlich, weisen aber typische, sich wiederholende Merkmale auf. Diese Modelle sind dann erfolgreich, wenn sie adaptiv auf die jeweiligen Anforderungen zugeschnitten sind. Ein möglichst flexibler gesetzlicher Rahmen ist dabei hilfreich.”
Fazit: Ein Modell mit Zukunft für Deutschland und Österreich
Die Studie zeigt, dass finanzielle Bürgerbeteiligung wirkt. Nämlich als Beteiligungs- UND Kommunikationsinstrument. Entscheidend ist, dass Beteiligung frühzeitig integriert wird. Und zwar als strategisches Element der Projektkommunikation. Denn wer Beteiligung klug kommuniziert, schafft nicht nur Akzeptanz, sondern auch Identifikation. Und damit die Grundlage für eine Energiewende, die nicht nur technisch machbar, sondern gesellschaftlich positiv verankert ist.
Hier geht es zur PWC Studie:
https://legal.pwc.de/fachartikel/Allgemein/pwc-dsfb-deutsche-studie-finanzielle-buergerbeteiligung-eueco-2024.pdf?utm
